Ursula Schultze-Bluhm

1921 - 1999

Eine Kooperation mit dem Essener Folkwang-Museumsverein erweitert den durch Van Ham Art Estate betreuten Bestand an Kunst der Nachkriegsmoderne um zwei bedeutende Positionen. Der künstlerische Nachlass Bernard Schultzes (1915 Schneidemühl - 2005 Köln), der auch den Nachlass seiner bereits zuvor verstorbenen Frau Ursula Schultze-Bluhm, genannt Ursula (1921 Mittenwalde - 1999 Köln) umfasst, wurde nach seinem Tod im Jahr 2005 auf den Folkwang-Museumsverein und das Kölner Museum Ludwig aufgeteilt. Mit diesem Vermächtnis fördert Bernard Schultze die Museen auch über seinen Tod hinaus, indem er Möglichkeit der Veräußerung von Werken zugunsten von Sammlungserweiterungen explizit testamentarisch festschrieb. Hier greift der Folkwang-Museumsverein ab sofort auf die Expertise und das exzellente Netzwerk von Van Ham Art Estate zurück, wodurch ein professionelles Management der Teilnachlässe initiiert wird.

Die Werkkomplexe von Bernard Schultze und Ursula ergänzen dabei in hervorragender Weise die bereits bei Van Ham Art Estate befindlichen Nachlässe bedeutender Nachkriegskünstler wie Karl Fred Dahmen, Bernd Berner oder Friedrich Gräsel und setzen einen weiteren Akzent im Bereich des deutschen Informel.

Ursula Schultze-Bluhm, genannt Ursula, begann ihre intensive Beschäftigung mit Malerei und Lyrik erst ab 1950. Es folgten regelmäßige Aufenthalte in Paris, wo sie 1954 den Maler Jean Dubuffet kennenlernte. Beide verband über Jahrzehnte eine enge Freundschaft und gegenseitige künstlerische Wertschätzung, die sich auch in der Aufnahme von Arbeiten Ursulas in Dubuffets Collection de l'Art Brut in Lausanne niederschlug. Ursula schuf ein eigenständiges Werk, welches sich weder in die Kategorien der Art Brut oder Outsider Art noch in jene gestischer Abstraktion eindeutig einordnen lässt. Großformatige Schrein-Objekte und Pelz-Öl-Assemblagen zeigen eindrücklich das immer wieder Grenzen überschreitende Denken dieser unverwechselbaren Künstlerinnenposition. Bis zu Ihrem Tod 1999 in Köln stellte sie regelmäßig in internationalen Museen und Galerien aus, darunter 1977 auf der documenta 6. Ihre Werke befinden sich u.a. in der Berliner Nationalgalerie (SMBPK), den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, im Museum für Moderne Kunst in Frankfurt am Main sowie im Musée National d'Art Moderne, Centre Pompidou in Paris.

Durch den Essener Kunsthistoriker Dr. Mario von Lüttichau und die Kölner Kunsthistoriker*innen Dr. Evelyn Weiss, Dr. Stephan Diederich und Dr. Barbara Hermann hat das Œuvre von Bernard Schultze und Ursula eine weitreichende, von Ausstellungen u.a. am Museum Ludwig, Köln begleitete wissenschaftliche Aufarbeitung erfahren.